Glück durch Sprache – 8 Tipps für eine bessere Kommunikation und mehr Wohlbefinden

Jennifer Köhler, 22. März 2021 ***

© Jennifer Köhler

Vorgestern, am 20. März, war Welttag des Glücks. Und wie wir alle wissen, ist jeder seines Glückes Schmied. Doch was hat dieser Ausspruch, den bereits die alten Römer kannten, mit unserer Sprache in Wort und Schrift zu tun? Wir haben acht Tipps zusammengestellt, mit denen Sie nicht nur Ihre Rhetorik und Ihren Content verbessern, sondern auch mehr positive Energie in Ihr Leben holen.

Im Beitrag Stil- und Syntaxfehler haben wir Ihnen bereits ein paar Tipps für guten Content zusammengestellt. Nun gehen wir ganz gezielt auf die Wirkung von Sprache und Wortwahl ein. Sie werden überrascht sein!

  1. Tipp: Alles eine Frage des Tempos und des Tempus

Zeit ist ein wesentlicher Faktor für unser inneres Wohlbefinden und – bezogen auf die Sprache – sogar ein wirksames Mittel gegen Stress. „Ich muss eben was erledigen“ oder „ganz kurz telefonieren“ baut einen inneren Druck auf, genauso wie „Ich muss das bis morgen fertigstellen“. Wie aber können wir allein durch eine Anpassung unserer Wortwahl den Druck herausnehmen? Lassen Sie uns doch einfach auf „eben mal“, „kurz“ oder „schnell“ verzichten. Das reduziert den Stress hinter dieser Aussage und steigert zugleich die Bedeutung beziehungsweise die Qualität dessen, was wir tun. Denn, was wir „eben mal“ oder „schnell“ erledigen, kann wohl kaum genauso gut gelingen, wie etwas, für das wir uns Zeit nehmen. Oder? Hilfreich ist auch die Zeitform: Wenn wir etwas nicht bis morgen erledigen „müssen“, sondern „werden“ oder „dazu kein Meeting machen“, sondern „machen werden“, verlagert das die tatsächliche Tätigkeit dahin, wo sie stattfinden soll: nämlich in der Zukunft. „Ich muss also nicht morgen den Text versenden, sondern ich werde morgen den Text versenden.“ Das Futur in der Sprache nimmt die Belastung aus der Gegenwart und sorgt für eine stärkere Verbindlichkeit – ganz ohne das Gefühl, etwas zu müssen.

Hinweis: Achten Sie darauf, wenn Sie diese Konstrukte anderen, zum Beispiel Kunden oder Partnern, gegenüber verwenden. Dann nämlich setzen Sie diese womöglich unbewusst unter Druck. Es sei denn, „etwas schnell zu tun“ oder „effizienter zu werden“, löst eine individuelle Herausforderung beim Gegenüber. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt!

  1. Tipp: Keine Chance für Modalverben und Konjunktive

Apropos „müssen“: Mit den Modalverben tun wir weder unserem Sprachstil – insbesondere im textlichen Bereich – noch unserem seelischen Gleichgewicht einen Gefallen. Häufig sind diese sogenannten Hilfsverben gar nicht erforderlich. Kann eine Software eine bestimmte Funktion erfüllen oder ein Produkt eine Wirkung erzielen? Ja? Dann „erfüllt“ die Software die Funktion und das Produkt „bewirkt“ genau das, was gewünscht ist. Noch schlimmer ist es mit den helfenden Verben, wenn sie sich nur zaghaft in Form des Konjunktivs einbringen: „Ich würde gern oder müsste eigentlich“ klingt nicht nach festen Absichten. „Sollte“ das nicht anders sein? Unbedingt! Insbesondere dann, wenn etwas zu tun oder zu erreichen ist. Wer beabsichtigt, seinen Standpunkt klar zu machen oder handfeste Argumente vorzubringen, darf dem sogenannten „Hedging“ keine Chance geben. Denn hierbei verstecken sich die eigenen Botschaften hinter Hecken aus „Ich möchte anmerken, dass …“ oder „Ich würde sagen, dass …“.

  1. Tipp: Mehr Ja und weniger Nein

Dass unser Gehirn mit Verneinungen nur sehr schlecht umgehen, ist im Neuromarketing bereits bekannt. Stellen Sie sich jetzt mal keinen rosa Elefanten vor! Woran denken Sie dann? Na klar: an einen rosa Elefanten. Hier empfiehlt es sich, im Gespräch wie auch bei der Content-Erstellung auf eine bejahende Sprache zu setzen. Insbesondere in Diskursen ist es eher unklug, Aussagen des Gegenübers nur sprachlich zu verneinen: „Da kommen keine zusätzlichen Kosten hinzu“ oder „Das ist nicht schwierig“. Damit halten Sie sein Argument aufrecht, nämlich dass Kosten entstehen oder etwas schwierig ist. Diplomatischer und sprachlich gewandter ist es, die Verneinung smart einzusetzen, um ein Gegenargument abzuschwächen. Wenn Ihnen jemand sagt, dass etwas zu schwer oder kompliziert sei, dürfen Sie das ruhig bestätigen: „Ja, das ist wirklich nicht einfach.“ Schon wird das positive Adjektiv „einfach“ die Denkweise des Gehirns beeinflussen, weil dieses die Verneinung ausklammert. Probieren Sie es doch mal aus!

  1. Tipp: Wieso, weshalb, warum – wer so fragt, bleibt oftmals dumm

Die Frage nach dem Warum treibt allzu oft unser Handeln an. Schließlich wollen wir verstehen, wieso ein Kunde nicht kauft oder warum wir etwas tun sollen. Dabei ist eine solche Frage ziemlich ungenau, weshalb sie zu stellen, uns oftmals nicht weiterbringt oder beim Gegenüber sogar Widerstand auslöst. Besser wäre es daher, den Kunden zu fragen, „was“ ihn konkret gestört oder ihm gefehlt hat? „Wann“ er beschlossen hat, nicht zu kaufen? Auch uns selbst sollten wir nicht mit der Frage „warum?“ malträtieren, sondern eher: „Was motiviert mich und andere? Welche Ziele stehen hinter meiner Aufgabe? Wer kann mir mehr über den Zweck erzählen?“ Die Antworten werden sehr wahrscheinlich Anhaltspunkte liefern, um einer Sache tatsächlich auf den Grund gehen zu können.

  1. Tipp: Vollständiger Satz, vollständiges Wohlbefinden

In unserer digitalen und mobilen Zeit geht alles schneller: Man kommt schneller an Informationen, ist schneller erreichbar und kann schneller mehrere Dinge auf einmal erledigen. Damit müssen auch Botschaften schnell erfassbar, und Content muss schnell verdaulich, also „snackable“ sein. Immer wichtiger ist es, zügig auf den Punkt zu kommen. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Auch kurze und klare Sätze sind nicht verkehrt. Unvollständige Sätze und Fragmente können in Texten sogar ein spannendes Stilmittel sein. Bei Audio-Content wie Podcasts, Live-Vorträgen oder Online-Workshops hingegen sollten Sie dies vermeiden. Wenn der Zuhörer Sätze eigenständig vervollständigen muss, verliert er schnell die Lust am Zuhören. Zudem kann er nur ein sprachliches Bild pro Satz richtig verarbeiten. „Wenn Sie die Aufmerksamkeit von Personen bekommen möchten – deren Informationsverarbeitung heute ganz anders, Sie wissen ja – dann müssen Sie – so wie ich es eingangs schon erwähnt hatte – vollständige Sätze verwenden.“ Sprachforscher meinen zudem, dass, wenn alles seinen Platz in vollständigen Sätzen findet, auch im Leben alles seinen Platz bekommt. Vergleichbar ist dies wohl mit: Wer Aktiv-Sätze verwendet, bestimmt auch sein Handeln aktiv.

Hinweis: Wenn Sie irgendwo durchgehen möchten, sagen Sie statt „Darf ich mal?“ „Lassen Sie mich bitte durchgehen?“. Wenn Sie jemanden auffordern, etwas zu tun, nutzen Sie auch konkrete und vollständige Aussagen: „Suchen Sie bitte mal nach konkreten Belegen für den Sachverhalt xy“ statt „Recherchieren Sie mal“.

  1. Tipp: Für mehr Ich in all dem Wir

Beim Content Marketing ist es essenziell, sich in den Leser hineinzuversetzen. Hier gilt: nutzwertige Inhalte statt Ego-Posting. Im Business- und privaten Alltag, wo man Ihre Einschätzung und Meinung erbittet, wo Feedback und Argumente gefragt sind, empfiehlt es sich wiederum, mehr bei sich selbst zu bleiben. „Ich sehe das so und so“ oder „Ich bin der Meinung, dass …“ Achten Sie dabei darauf, ob Sie einen Sachverhalt wahrnehmen oder bewerten. „Der Kunde zahlt nie pünktlich“ oder „Er hat eine schlechte Zahlungsmoral“ klingt im ersten Moment wie eine Feststellung, ist aber eine Bewertung und Interpretation. Sachlich und wertfrei ausgedrückt, müsste es lauten: „Der Kunde hat in den letzten X Monaten sein Zahlungsziel um X Tage überschritten.“ Vor allem dann, wenn Sie unangenehme Themen besprechen möchten, nutzen Sie besser eine wertfreie Sprache, die auf Wahrnehmung basiert und nicht auf Interpretation. Dann wird Ihr Gegenüber dies nicht direkt als Kritik auffassen.

Hinweis: Besonders Frauen neigen dazu, sich selbst kleiner zu machen, indem sie das Wort „ich“ weglassen: „Hab noch schnell telefoniert“ oder „Muss das noch fertig machen.“ So bleibt das Subjekt nicht nur sprachlich auf der Strecke. Achten Sie mal darauf!

  1. Tipp: Es muss nicht immer Perfekt sein

Natürlich kann eine bedachte Sprache oder richtige Wortwahl nicht verhindern, dass wir uns nicht auch einmal schlecht fühlen oder traurig sind. Misserfolge gehören ebenso zum Leben wie zum Business. Hier kann Sprache für Gelassenheit und Positivität sorgen. Vergleichen wir doch die Aussagen „Mein bester Kunde hat letzte Woche gekündigt“ und „Mein bester Kunde kündigte letzte Woche“. Die zweite Variante im Imperfekt (auch Präteritum genannt) schildert ein klar abgeschlossenes Ereignis in der Vergangenheit. Die Aussage wirkt sachlich und ruhig. Variante Eins im Perfekt hingegen setzt den Vorfall in die Gegenwart fort – und damit auch die Enttäuschung, den Ärger und alle Emotionen, die er auslöste.

  1. Tipp: Nicht tragische, sondern magische Sprache

Abschließend noch ein paar Tipps, die eher unterschwellig auf das Gesagte oder Geschriebene – und damit auf den Empfänger der Botschaft – wirken.

Tragische Sprache, die es zu vermeiden gilt, umfasst:

  • aggressive Begriffe und Phrasen, z. B. „etwas in Angriff nehmen“, „nicht kriegsentscheidend sein“, „Einwände abwürgen“, „Vorschläge machen“
  • „Selbstmörder“-Wörter, die eine Aussage niederstrecken, z. B. „eigentlich“, „vielleicht“ und Konjunktive
  • negative Vorboten, z. B. „ehrlich gesagt“, „wirklich“, „naja“, „versuchen“
  • „Pessimisten“-Adjektive, z. B. „schlecht“, „ungünstig“, „schwierig“, „kompliziert“, „trivial“, „herausfordernd“, „problematisch“
  • last but not least: Ironie, Sarkasmus, Zynismus

Zur magischen Sprache, die eine positive Wirkung erzielt, gehören:

  • zugewandte Verben, z. B. „verstehen“, „vertrauen“, „zugutekommen“, „erhellen“
  • verbindliche Fragewörter, z. B. „wer“, „was“, „wann“, „wo“ und „wie“ – KEIN „warum“
  • last but not least: eine zukunftsorientierte Formulierung – bekannt aus dem Yoga: „noch nicht“.

Fazit

Wie Sie sehen, gibt es ein paar einfache Kniffe, um mit Sprache positive Effekte beim Gegenüber und bei sich selbst zu erzielen. Mit etwas Geduld sind diese für jeden von uns erlernbar. Und natürlich funktionieren die acht Tipps auch im Content Marketing. Haben Sie Fragen dazu oder benötigen Unterstützung bei der Content-Erstellung, sprechen Sie uns gerne an.

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