Was die Kommunikationsprofis bewegt – Ergebnisse des European Communication Monitor 2017

Welche Sicht Kommunikationsprofis aus ganz Europa auf Kommunikationsmanagement und PR haben? Das verraten die Ergebnisse des European Communication Monitor 2017 (ECM). Von Ende Februar bis Ende März 2017 konnten PR-Profis an der Umfrage teilnehmen. Dieses Jahr im Fokus: der visuelle Wandel in der Produktion, Distribution und Evaluation von Kommunikationsinhalten einerseits sowie Benchmarkings zur kontinuierlichen Verbesserung der Kommunikationsarbeit andererseits. An der diesjährigen Umfrage nahmen 3.387 Teilnehmer aus 50 Ländern teil. Was die PR-Profis bewegt und wie viel sie im Schnitt verdienen, erfahren Sie in unserem Blogbeitrag. 

Strategische Kommunikation und Social Bots
94,4 Prozent der Befragten sind sich sicher, dass die visuelle Kommunikation für Unternehmen weiter an Bedeutung gewinnen wird, woran insbesondere Stakeholder interessiert sind. Deshalb rücken Medien wie Online-Videos, Info-Grafiken oder Instant-Fotos weiter in den Fokus. Allerdings haben nur 4,6 Prozent aller Befragten für diese Form von Kommunikation auch erweiterte Management-Prozesse implementiert. Zudem sagt nur einer von zehn Befragten, dass er sich auf diesem Gebiet gut auskennt.

Auch das Thema Social Bots kam zur Sprache – für viele Kommunikationsspezialisten ein rotes Tuch. Auch wenn die Bots in den Medien äußerst populär sind, lehnen die Befragten Social Bots weitgehend ab. Nur ein Drittel folgt der Debatte über diese Thematik, während 15,9 Prozent sich gar nicht damit beschäftigen. Für viele sind Social Bots eine Bedrohung, insbesondere für öffentliche Debatten und den Ruf der Organisation. 73,2 Prozenten vertreten außerdem die Meinung, dass Bots ethische Herausforderungen für den Beruf darstellen. Einige sehen aber auch den Nutzen: 14,7 Prozent der Befragten setzen Social Bots bereits ein oder planen es zu tun.

Strategische Ausrichtung der Kommunikation und soziale Medien als wichtige Kanäle
Innerhalb der kommenden drei Jahre planen 40,4 Prozent, mit der digitalen Transformation und dem Social Web zurechtzukommen. Für 90,4 Prozent der Befragten sind daher soziale Netzwerke wie Twitter, Facebook oder auch Blogs die wichtigsten Kanäle, um Stakeholder, Gatekeepers oder Zielgruppen zu erreichen. Andere Kommunikationsformen liegen auf dem zweiten Rang (83,1 Prozent), worauf der Bereich PR (inkl. Online-Zeitungen und Magazine) folgt. Neue, soziale Medien-Technologien ergänzen traditionelle Kanäle zwar, ersetzen sie aber nicht, wie neue Studien zeigen. Es ist dabei allerdings eine größere Annäherung zwischen den beiden zu erkennen, sodass sich immer mehr Unternehmen darauf einstellen müssen. Die Veränderung zwischen „Mobile“ und „Online“ ist allerdings nicht so groß wie angenommen. Media Relations mit Zeitungen/Magazinen sind nach wie vor deutlich wichtiger als vielleicht gedacht.

Konsumverhalten sowie Hyper-Narzissmus und Hyper-Individualität prägen die hypermoderne Kultur – und verwandeln Unternehmen
Ein Großteil der Befragten (71,5 Prozent) konstatiert eine kulturelle Transformation zu einer hypermodernen Kultur, die vom Konsumverhalten geprägt ist – eine große Mehrheit wandelt sich zu „Turbo-Konsumenten“. Eine solche Gesellschaft ist zudem gezeichnet durch eine Form von Hyper-Narzissmus und Hyper-Individualität. Jeder zweite Spezialist (52,3 Prozent) gibt an, dass dieser Wandel inzwischen auch die Kommunikation zwischen Unternehmen und Stakeholdern verändert. Bereits 43,5 Prozent der Befragten äußern, dass ihr Unternehmen einen Wandel von einer postmodernen zu einer hypermodernen Firma vollzogen hat. Charakteristika wie kontinuierliche Veränderung, dezentralisierte IT, flexible Anpassung der Belegschaft, Kreativität, Ethik der empfundenen Verantwortung zeichnen solch ein Unternehmen aus. 14,4 Prozent geben an, dass sie in einem typisch modernen Arbeitsplatz mit klaren Arbeitsbereichen, einer stabilen Belegschaft und einer rationalen Organisation beschäftigt sind. 42,2 Prozent der Unternehmen vollziehen gerade den Wandel von modern zu postmodern.

Benchmarking und Qualitäts-Management
Viele Unternehmen behandelten das Thema „Benchmarking“ in der Strategischen Kommunikation über viele Jahre hinweg eher stiefmütterlich. Weit seltener als Customer Relationship Management (60,4 Prozent) haben Kommunikationsabteilungen Qualitäts-Management-Prozesse etabliert (40,7 Prozent). Wenn Abteilungen in Unternehmen generell ihre Aktivitäten einschätzen, geht es im Wesentlichen um die Performance und darum, die Auswirkungen der Kommunikationsaktivitäten zu messen (bis zu 51,1 Prozent).

Kommunikationsabteilungen und ihr Beitrag zum Unternehmenserfolg – wodurch zeichnen sich gute Kommunikationsabteilungen aus?
Befragt nach ihrer Einschätzung, welchen Beitrag Kommunikationsabteilungen zum Unternehmenserfolg leisten, ist die Sicht der Kommunikationsprofis äußerst positiv: 70 Prozent sagen, ihre operative und strategische Mitarbeit habe einen sehr hohen Einfluss. Besonders wichtig ist es ihnen, die Ziele und Prozesse anderer Abteilungen 86,8 Prozent), das tägliche Geschäft (86,7 Prozent) und die kontinuierliche Verbesserung der Abteilung (85,8 Prozent) zu unterstützen. Am wenigsten relevant ist es für die Befragten, Key Stakeholder von den Strategien des Unternehmens zu überzeugen. Problematisch allerdings: In der Umfrage geben viele Teilnehmer an, dass Top-Manager sich der möglichen Beiträge, die Kommunikatoren liefern können, nicht vollkommen bewusst sind. Hier gäbe es also noch Nachholbedarf.

Gute Kommunikationsabteilungen machen bereits viele Dinge richtig: Die Kommunikatoren nutzen insbesondere das Quality-Management intensiver und bauen Benchmarking-Prozesse weiter aus. Zudem gelingt es ihnen, Management-Routinen für visuelle Kommunikation besser zu implementieren – auch handelt es sich in der Regel schon eher um postmoderne bzw. hypermoderne Unternehmen. Gegenüber äußeren Einflüssen zeigen sich diese Unternehmen generell offener und reagieren außerdem in öffentlichen Debatten – auch außerhalb des Business-Alltags – engagiert.

Wer verdient wie viel? Der Gehalts-Check
Die Studie informiert auch über die Gehälter in der Kommunikationsbranche. Jeder zehnte Kommunikationsexperte verdient mehr als 150.000 Euro Im Jahr (9,1 Prozent). Eine relativ kleine Gruppe von 1,4 Prozent erhält mehr als 300.000 Euro. Die Geringverdiener (21,1 Prozent) gaben an, weniger als 30.000 Euro im Jahr zu verdienen. Seit 2009 ist die Anzahl der Kommunikatoren, die mehr als 150.000 Euro im Jahr verdienen, recht konstant (zwischen 13,4 Prozent und 18,4 Prozent). Diese Konstanz gilt übrigens auch für das Gehaltsgefälle (zwischen 6,1 und 9,6 Prozent).

Arbeiten Sie auch in der Kommunikationsbranche, und finden Sie sich und Ihr Unternehmen in den Ergebnissen wieder? Teilen Sie uns Ihre Erfahrungen mit!

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