PR in Wikipedia mit (halb)offenem Visier

Wiki-PRWikipedia hat seine Nutzungsbedingungen geändert und verlangt von Autoren, die für die Bearbeitung eines Wikipedia-Beitrags bezahlt werden, dass sie dies kenntlich machen. Sie müssen nun „in Ihrer Bearbeitungszusammenfassung, Benutzerseite oder Diskussionsseite“ einen entsprechenden Hinweis platzieren, wie es in der Verlautbarung zu der Änderung auf dem Wikipedia-Blog heißt. Das soll dabei helfen, Interessenskonflikte zu identifizieren und einseitige Darstellungen zu vermeiden. Nun kann man sich darüber streiten, ob das ein geeignetes Mittel ist – schließlich ist Wikipedia trotzdem darauf angewiesen, dass sich die Autoren freiwillig daran halten, denn kontrollieren lässt sich das kaum. Eine Reihe von US-PR-Agenturen haben öffentlichkeitswirksam eine Selbstverpflichtung abgegeben, in der sie sich zur Einhaltung der neuen Nutzungsrichtlinien von Wikipedia bekennen. Unterm Strich ändert das für Unternehmen und ihren Umgang mit Wikipedia aber nichts.

Transparenz schafft Glaubwürdigkeit
Wie in der übrigen PR auch, ist der Glaubwürdigkeit und dem Image eines Unternehmens auch auf Wikipedia am besten gedient, wenn die kommunizierten Inhalte wahrhaftig sind. Zu beschönigende oder werbende Darstellungen werden von den medienerfahrenen Nutzern ohnehin als solche erkannt und ruinieren die Vertrauenswürdigkeit auch aller anderen Inhalte. Klar, dass das nicht bedeutet, dass Unternehmen von sich aus jeden kritischen Aspekt selbst posten müssen, sondern vor allem die Dinge aufführen, die sie in einem guten Licht dastehen lassen. Doch alle von ihnen eingebrachten Informationen sollten sachlich, informativ und wahr sein. Dann kann niemand etwas dagegen haben. Schließlich ist die Veröffentlichung von sachlichen Informationen der Wesenszweck der Online-Enzyklopädie.

Manipulationen werden sehr sensibel beobachtet
Auch im Umgang mit kritischen Beiträgen ändert sich im Grunde nichts. Durch die offene Struktur von Wikipedia können andere Nutzer kritische Aspekte wie beispielsweise Entlassungen in einem Unternehmen zum Artikel hinzufügen. Die sinnvollste Reaktion ist dabei nach wie vor, transparent aufzutreten und die Beweggründe für die Unternehmensentscheidungen darzulegen. In der öffentlichen Kommunikation ist es, insbesondere in Zeiten von Social-Media, immer besser, die eigenen Handlungen zu erklären, als sie unter den Teppich zu kehren. Das geht häufig genug schief, da nicht nur Nutzer, sondern auch die Medien solche Fälle sehr sensibel beobachten. Steht ein Unternehmen aber zu seinen – eventuell auch unpopulären – Entscheidungen, begründet diese sachlich und macht sie für den Leser nachvollziehbar, bleibt es authentisch und glaubwürdig. Nie werden alle User eine Meinung teilen, aber mit guten Argumenten lassen sich doch die allermeisten überzeugen.

Für die PR auf Wikipedia gilt deshalb heute dasselbe wie auch vor der jüngsten Änderung der Nutzungsbedingungen: Sachliche Informationen, die ein Unternehmen und seine Produkte beschreiben statt sie nur zu bewerben, werden auch in Zukunft ihren Platz bei Wikipedia haben, egal ob hinter dem Namen des Bearbeiters ein „PR“ steht oder nicht.

Autor: Gabriele Horcher

Geschäftsführerin der Möller Horcher PR GmbH

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