Digital News Report: Das Nutzer-Herz brennt für Medien-Marken und Instagram

Franziska Pleßke, 27.08.2019 ***

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In Zeiten einer regelrechten Informationsflut, unzähliger Kommunikationskanäle und schwer erkennbarer Fake-News herrscht – verständlicherweise – eine weit verbreitete Medienskepsis. Für viele Menschen ist es eine Herausforderung, verlässliche Informationen zu erhalten. Nachrichten zu konsumieren, wird zur „lästigen Pflicht“ – Grund genug, dass nicht wenige komplett darauf verzichten. Die News-Verweigerer befürchten, dass sich Nachrichten negativ auf ihre Stimmung auswirken. Oder sie fühlen sich machtlos, weil sie glauben, nichts an den Ereignissen ändern zu können. Diese Einstellung schlägt sich im weltweiten Medienvertrauen nieder, das weiterhin abnimmt. Zu diesen Ergebnissen kommt der Digital News Report 2019 des Reuters Institute und der Oxford University.

Jedes Jahr enthüllt der Digital News Report neue interessante Einsichten in den weltweiten Nachrichtenkonsum und die Mediennutzung. Seit 2012 gehen die Studienmacher mithilfe von Repräsentativbefragungen in 38 Ländern den generellen Trends und nationalen Besonderheiten auf den Grund. Neben Erkenntnissen über das Medienvertrauen gibt der diesjährige Digital News Report Aufschluss über die Fortschritte hinsichtlich der Verbreitung von neuen bezahlten Online-Geschäftsmodellen und über die fortschreitende Umstellung des Nutzerverhaltens auf Private Messaging-Anwendungen. Ein weiterer Fokus liegt auf der Art und Weise, wie Verbraucher Nachrichten konsumieren. Hierbei fällt besonders eine Verschiebung in der Mediennutzung von Online-Diensten auf. Während WhatsApp und Instagram die großen Gewinner darstellen, verlieren Snapchat und Facebook zusehends an Bedeutung. Dennoch: Facebook bleibt das wichtigste soziale Netzwerk.

Digitale Medien-Abos finden wenig Anklang

Wenn man sich die Ergebnisse der Studie für Deutschland anschaut, fällt besonders die prekäre Situation von Nachrichtenorganisationen ins Auge. Die wirtschaftlichen Aussichten sind für viele deutsche Medienhäuser alles andere als rosig. Zeitungen fusionieren, Redaktionen schließen sich zusammen und Jobs fallen weg. Manche Unternehmen wollen sich vollständig aus dem Print-Geschäft zurückziehen, andere bieten einen Teil ihres Print-Portfolios bereits zum Verkauf an. Ob der Umstieg auf digitale Angebote den erhofften Erfolg hat, bleibt fraglich. Denn selbst Medien, die rein digital aufgestellt sind, stecken in Schwierigkeiten. Ein Beispiel hierfür stellt die HuffPost Deutschland dar, die nach nur fünfeinhalb Jahren Ende März 2019 ihr Online-Nachrichtenportal eingestellt hat. Die Bereitschaft der Konsumenten, für digitale journalistische Angebote zu bezahlen, ist weiterhin gering – vor allem in Deutschland. Gerade acht Prozent der Nutzer haben Abonnements für journalistische Beiträge. Der Digital News Report spricht in diesem Kontext von einer Ermüdung und zeigt, dass die Mehrheit ihr Budget eher für Unterhaltung als für Nachrichten ausgibt. Somit scheint die Abo-Vorherrschaft von Netflix, Spotify und Co. ungebrochen.

Katja Dreißig, unsere Senior-Beraterin und erfahrene Journalisten-Kennerin, beobachtet die Medienlandschaft schon seit vielen Jahren. Sie steht dem vielbeschworenen Untergang der Print-Medien kritisch gegenüber. Ihr Credo: „Die Print-Medien werden nicht aussterben. In keinem anderen Land ist die Medienlandschaft so breit und tief wie in Deutschland. Natürlich nehmen Online-Kanäle an Bedeutung zu. Besonders die Digitalisierung und disruptive Entwicklungen spielen aktuell eine immer größere Rolle. Darum sind Medienunternehmen mehr denn je dazu aufgefordert, neue attraktive Erlösmodelle zu erschließen.“

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Medien-Marken bevorzugt

Vor dem Hintergrund einer kontinuierlich steigenden Zahl an Online-Kanälen und einer wachsenden Medienskepsis erfahren die beiden öffentlich-rechtlichen Medien-Marken ARD und ZDF das größte Vertrauen. Zwar nehmen immer mehr Deutsche das Internet für die Rezeption von Nachrichten in Anspruch, das Fernsehen bleibt allerdings die am häufigsten genutzte Nachrichtenquelle. Das bedeutet: Die Tagesschau, heute und das heute-journal sind die Top-Nachrichtensendungen im TV. Online- dagegen liegen die ZDF News zusammen mit dem Stern abgeschlagen auf dem vorletzten Platz. Jedoch nähern sich TV und Online-Bereich, inklusive Social Media, weiter an: Während 72 Prozent der Befragten Nachrichten über das Fernsehen konsumieren, nutzen mittlerweile 68 Prozent auch Online-Quellen. Interessant ist zudem, dass 37 Prozent der Nutzer stets den direkten Weg zu Nachrichten suchen. Sie rufen ohne Umwege die Website oder App einer bestimmten Medien-Marke auf.

Unsere Freiberger Agenturleiterin Sandy Wilzek teilt die Einschätzung der Studienmacher, findet aber auch, dass man die Kommunikationswege durchaus etwas differenzierter betrachten sollte: „Im Mittelpunkt stehen dabei für mich immer die Fragen: Was möchte ich kommunizieren und wen möchte ich damit erreichen?“ Weiter erklärt sie: „Meiner Meinung nach können spezialisierte Fach- und Branchenmedien konkrete Fachthemen sowie entsprechend spitze Zielgruppen besser bedienen und haben somit einen Vorteil gegenüber großen Medien-Marken.“

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Instagram entwickelt sich zum „Go-To Social Network“

Interessanterweise gestaltet sich die soziale Kommunikation rund um Nachrichten zunehmend privater. Darüber hinaus verschiebt sich der Nachrichtenkonsum zwischen den sozialen Netzwerken stark. Der Digital News Report zeigt deutlich, dass die Nutzer wesentlich mehr Zeit auf Instagram und WhatsApp als auf Facebook verbringen. Hinzu kommt, dass viele Nutzer Snapchat gegen Instagram austauschen. Dies gilt vor allem für die Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen. Zusammenfassend ist der Studie zu entnehmen, dass sich Instagram zum Social Media-Magneten entwickelt. Dass immer mehr Nutzer von Facebook abwandern, liegt vornehmlich im umstrittenen NetzDG (Gesetz zur Verbesserung der Rechtsdurchsetzung in sozialen Netzwerken) begründet. Demnach sind soziale Plattformen wie Facebook verpflichtet, hasserfüllte Inhalte und Fake-News innerhalb von 24 Stunden zu entfernen. Ansonsten drohen hohe Bußgelder. Deutsche Politiker werten das NetzDG als Erfolg. Der einstige Glanz des Internetgiganten Facebook verblasst dagegen immer weiter.

„Dass Facebook über kurz oder lang untergehen könnte, ist wohl etwas zu hoch gegriffen“, meint unsere Social Media-Expertin Amelie Zawada. „Vielmehr wird es zukünftig mehr soziale Online-Plattformen geben, auf die sich die Nutzer verteilen. Dass dadurch selbst Marktführer unter Druck geraten, ist einfach Teil des Wettbewerbs. Hier muss auch Facebook entsprechend reagieren, um eine gewisse Informationsqualität zu sichern und sich im Kampf um die Gunst der Nutzer zu behaupten.“

Soweit die wichtigsten Ergebnisse des Digital News Report 2019. Entfachen die aktuellen Trends das Nutzer-Herz nur kurzzeitig oder entpuppen sie sich als wahre Dauerbrenner? Welche zukünftigen Entwicklungen sich für die weltweite Mediennutzung herauskristallisieren, wird sich zeigen. Es bleibt weiterhin spannend.