Babylonische Verwirrung in der Weihnachtsbäckerei

Dr. Ines Bilas, 27.11.2018 ***

Quelle: pixabay.com / HoliHo

Zugegeben, dass ich mich bei den vielen verschiedenen Bezeichnungen für Krapfen, Kreppel & Co. gleich auf das Alte Testament berufe, ist vielleicht wirklich etwas zu hoch gegriffen. Dennoch passiert es immer wieder, dass gleiche Dinge regional unterschiedliche Namen tragen. Oder dass dasselbe Wort unterschiedliche Sachen bezeichnet. So auch beim Nasch- und Backwerk, das jetzt im Advent seine Hoch-Zeit hat. Die Mitarbeiter bei Möller Horcher kommen aus ganz verschiedenen Ecken Deutschlands – und jeder bringt beim Small Talk zwischen den mh-Standorten seine eigenen Lieblingsnaschereien ins Spiel. Doch da ist Vorsicht geboten. Denn ein „Berliner“ ist für die meisten Freiberger nur ein Hauptstädter. Während in Offenbach kaum jemand an Krapfen denkt, wenn von Pfannkuchen die Rede ist, sondern eher Crêpes vor Augen hat. Einige weitere Beispiele für mögliche vorweihnachtliche Missverständnisse in Lucullus‘ Reich gefällig?

Berliner – Pfannkuchen – Berliner Pfannkuchen?

Den kugelförmigen, in heißem Fett ausgebackenen Gebäckstücken und ihrer Namens- und Geschmacksvielfalt ist ein eigener Wikipedia-Beitrag gewidmet. Schließlich dürfen sie auf keinem Weihnachtsmarkt fehlen. Die mh-Mitarbeiter im Rhein-Main-Gebiet sprechen vom Krapfen, Kreppel/Kräppel oder – insbesondere die Zugezogenen unter ihnen – von Berlinern. Dieser Ausdruck ist wohl die Kurzform der ursprünglichen Bezeichnung „Berliner Pfannkuchen“. In großen Teilen Ostdeutschlands hat sich hingegen der zweite Namensteil durchgesetzt: Hier sagt man nur „Pfannkuchen“ dazu. Die Offenbacher Kollegen können sich da nur wundern, schließlich sind für sie Pfannkuchen flache Teigfladen aus Mehl, Milch und Eiern, die man in der Pfanne backt und sich entweder mit einem süßen, etwa „Äbbelbrei“, oder einem herzhaften Belag schmecken lässt.

Mit Mehl oder doch kartoffelig?

Doch auch der Pfannkuchen, der kein Berliner ist, geistert unter vielen Namen durch die Küchen, beispielsweise als Eierkuchen, Eierpfannkuchen, Plinse, Crêpe oder Palatschinken. Eine unserer Redakteurinnen trägt überdies noch zusätzlich zur Verwirrung bei, indem sie auf ihren heimatlichen Dialekt im Odenwald verweist: Hier sind Pfannkuchen das gleiche wie andernorts Kartoffelpuffer.

Stollen – der Advents-Klassiker schlechthin

Die Bezeichnungen Christstollen, Weihnachtsstollen oder einfach Stollen sind vielen Lesern sicher geläufig. Aber wussten Sie, dass man beispielsweise in Leipzig die weibliche Wortversion – die Stolle – bevorzugt? Die Dresdner indes sprechen auch gern vom Striezel – weshalb der traditionelle Weihnachtsmarkt in der sächsischen Hauptstadt auch Striezelmarkt heißt. Aber damit nicht genug. Bei einer kurzen Recherche im Netz stößt man sehr schnell auf weitere Bezeichnungen, wie etwa Chrisamel, Schittchen, Scheitchen oder Weihnachtssemmel.

Auch salzige Backwaren beteiligen sich am Namens-Chaos

Ob nun zu Hause in Offenbach oder Freiberg oder während eines Besuchs auf einem der anderen über 2.500 Weihnachtsmärkte in Deutschland – natürlich verschmähen die Leckermäuler bei Möller Horcher auch salzige Backwaren nicht, etwa frisches Brot direkt aus dem Holzofen. Doch auch hier veranstaltet die deutsche Sprache ein Verwirrspiel mit uns, wie das Beispiel eines simplen Brotendes zeigt. Dafür gibt es so viele linguistische Spielarten – in einem Beitrag im Netz sind über 200 Begriffe aufgelistet –, dass hier nur einige wenige genannt werden sollen. In der Offenbacher Zentrale sagen sie gern Kante, Knust oder Knäppchen, während man in der Freiberger Niederlassung das Endstück eines Brots als Ränftchen, Ränftl oder Kanten kennt.

Von Loible und Gutsle

Wenn wir den Weihnachtsmarkt nun verlassen und uns der häuslichen Weihnachtsbäckerei zuwenden, wird es auch nicht einfacher in Punkto Begrifflichkeiten. Mit dem simplen Wort „Weihnachtsplätzchen“, das sowohl im Rhein-Main-Gebiet als auch in Sachsen zu Hause ist, ist es nämlich nicht getan. Während die Freiberger Hobbybäcker auch Weihnachtskekse aus dem Ofen holen, kommen im Offenbacher Büro Blätzje auf den Tisch. Manchmal auch süße Teilchen oder süße Stückle – so nennt zumindest eine ursprünglich aus Mainfranken stammende Kollegin Leckereien wie Nussecken und Mandelschnittchen. Es gibt regional noch weitere Bezeichnungen für Weihnachtsplätzchen, beispielsweise Loible, Leckerle, Plätzla, Zeltl und Gutsle. Doch: „Das ist ein zu weites Feld…“

Der Gipfel sind die Kipfel

Schenkt man den diversen Veröffentlichungen dazu Glauben, dann sind übrigens Vanillekipferl die unangefochtene Nummer 1 im gesamtdeutschen Plätzchenranking. Und wer mag diese süßen Versuchungen nicht? Die lukullischen Freuden können jedoch leicht getrübt werden, beachtet man die Tücken der deutschen Sprache nicht. Eine etwas undeutliche Aussprache oder ein winziger Tippfehler machen den Kipferl zum Kipfel, einem meist aus Hefeteig hergestellten Hörnchen. Als hätte die Baden-Württemberger Fraktion bei Möller Horcher nur auf dieses Stichwort gewartet, legen sie los und berichten mir von Hörnchen, Brötchen und Semmeln, von Wecken, Weckle und Weckerle. Brödle hingegen, so erfahre ich noch, verwendet man im Badischen für Plätzchen, bevor ich vor den vielen Namen kapituliere und mir auf dem Weihnachtsmarkt eine Roster hole. Dort komme ich ins Gespräch: „Eigentlich ist Roster nur eine in Thüringen übliche Bezeichnung“, so mein freundliches Gegenüber und versucht, mich über Krakauer, Nürnberger und echte Thüringer aufzuklären. Ich flüchte zurück ins Büro …

Es gibt zahlreiche lokale Spezialitäten, so dass dieser kleine Exkurs weit entfernt davon ist, einen Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben. Außerdem ist der Name des Weihnachtsgebäcks doch zweitrangig – solange es nur lecker ist. Und die Geschmäcker sind bekanntermaßen (und glücklicherweise) verschieden. Darum können und wollen wir bei Möller Horcher Ihnen auch keine kulinarischen Empfehlungen geben. Worin wir Sie jedoch unterstützen können, ist Ihre PR-Arbeit. Kommen Sie also in Fragen der perfekten Wortwahl einfach auf uns zu – und genießen Sie darüber hinaus die süßen Versuchungen der Weihnachtszeit.

Workbook

Möller Horcher B2B-Kommunikation
Step-by-Step: Wie Sie Ihren digitalen Vertriebsprozess aufbauen
Hier geht’s zum
Gratis-Download
close-link
Hier klicken

Diese Webseite verwendet Cookies, um Ihnen ein angenehmeres Surfen zu ermöglichen. Details ansehen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen