Von schlechtem Stil und Syntaxfehlern: Die Leiden der (jungen) Redakteurin

Als Redakteurin einer Kommunikationsagentur ist man tagtäglich mit einer Vielzahl an Stil-Fauxpas, Rechtschreib- und Syntaxfehlern konfrontiert. Eine nicht ganz repräsentative Übersicht der gröbsten Schnitzer, die uns im redaktionellen Umfeld häufiger begegnen, haben wir hier für Sie zusammengestellt.

  1. Es macht Sinn

Ein Stilfehler, der überhaupt „keinen Sinn macht“, ist eben dieser: Es macht Sinn. Abgeleitet aus dem im Englischen völlig korrekten „it makes sense“ hat sich dieser Anglizismus inzwischen in der gesprochenen und geschriebenen deutschen Sprache etabliert. Es vergeht kein Tag, an dem man in den Medien nicht darüber stolpert – sei es in Radioprogrammen der öffentlich-rechtlichen Sender, in Print-Qualitätsmedien oder in der Tagesschau. Alles macht Sinn. Dabei handelt es sich bei „Sinn“ und machen“ um Worte, die überhaupt nicht zusammenpassen. Als Verb hat „machen“ eine stark manuelle Komponente, beschreibt also die Tätigkeit, etwas mit den Händen zu fertigen oder herzustellen, während man „Sinn“ nicht herstellen oder fertigen kann, sondern sucht, findet oder stiftet. Warum also be“sinn“en wir uns nicht wieder auf die korrekten Ausdrücke: „Etwas ist sinnvoll“ oder „etwas ergibt Sinn“? Das ist jedenfalls sinnvoller!

  1. Unverbundene Komposita

Wenn man sich professionell mit der deutschen Sprache beschäftigt, begegnet man tagein, tagaus einem der häufigsten Rechtschreib Fehler. Sie stutzen? Sehr gut! Denn es muss natürlich „Rechtschreibfehler“ heißen, weil im Deutschen Komposita, also Wortzusammensetzungen, in einem Wort geschrieben werden. Besteht ein Kompositum aus mehrteiligen Wortgruppen, werden die einzelnen Wörter bzw. Buchstabenfolgen mit Bindestrichen verbunden, wie beispielsweise „Software-Beratungs-Unternehmen“ oder „ERP-Implementierungs-Projekt“. Das gilt übrigens auch für Komposita, die fremdsprachige Begriffe enthalten: „Open-Source-Lösung“, „Customer-Relationship-Management-System“ oder „Key-Account-Manager“. Auch diese Angewohnheit, Substantive unverbunden aneinanderzureihen, hat ihren Ursprung – Sie ahnen es – im englischen Sprachraum. Eine zulässige Ausnahme der deutschen Rechtschreibregel des „Durchkoppelns“ bilden Komposita mit Eigennamen, wie etwa „Johann Wolfgang Goethe-Universität“.

  1. Falscher Genus für Possessivpronomen

„Die Musterfirma GmbH, ein Anbieter von Musterlösungen, hat sein…“ ist ein Syntax- bzw. Semantikfehler, der uns immer wieder begegnet. Die Apposition, also der erklärende, nachgestellte Einschub, lässt vermuten, dass sich das Possessivpronomen „sein“ auf den „Anbieter“ bezieht und darum maskulin ist. Streng genommen ist dem aber nicht so. Da die Apposition nicht eng in die syntaktische Struktur des Satzes integriert ist, bezieht sich das besitzanzeigende Fürwort auf das Subjekt, auf die feminine „Musterfirma“. Darum müsste es heißen: „Die Musterfirma GmbH, ein Anbieter von Musterlösungen, hat ihr…“

  1. Flexionssuffix „-es“ zur Genitivbildung

Während der Duden früher das Flexionssuffix „-es“ zur Genitivbildung empfohlen hat, hält er es inzwischen für antiquiert. Trotzdem begegnen wir immer wieder Substantiven, die im Genitiv folgendermaßen dekliniert sind: „des Betriebes“, „des Gehaltes“, „des Wettbewerbsvorteiles“. Dabei ist eines auffällig: Je hochsprachlicher und gewählter sich gerade Textlaien ausdrücken wollen, desto häufiger greifen sie zur Genitivbildung auf die Flexionsendung „-es“ zurück. Als Textprofis, die wir sind, finden Sie in unseren Texten – ganz wie es der Duden empfiehlt – die korrekt deklinierten Genitivformen: „des Betriebs“, „des Gehalts“ und „des Wettbewerbsvorteils“. Und wo wir gerade beim „Problemfall“ – Vorsicht: Wortwitz – Genitiv sind: Natürlich ist der Dativ nach wie vor dem Genitiv sein Tod.

  1. „Sie“ oder doch „sie“?

Die Älteren unter uns werden sich noch daran erinnern: Früher, also vor der letzten Rechtschreibreform, galt es als höflich, in Briefen oder offiziellen bzw. förmlichen Dokumenten „Sie“ als direkte Anrede des Lesers mit großem „S“ zu schreiben. „Wie laden Sie herzlich ein…“ Diese Höflichkeitsanrede war geradezu ein Muss, wollte man sich in der geschäftlichen Kommunikation nicht blamieren. Auch wenn der Duden das „Sie“ heute nicht mehr verbindlich empfiehlt, ist es meines Erachtens eine Frage des guten Stils und des Respekts, den Adressaten einer E-Mail oder eines Briefs höflich anzusprechen – viele sehen das (leider) anders. Aber auch der gegenteilige Fall begegnet mir als Redakteurin ständig: Ein groß geschriebenes „Sie“, obwohl das Personalpronomen nicht als Anrede benutzt wird. „An der Entwicklung haben fünf Developer mitgewirkt. Im Team haben Sie optimal zusammengearbeitet.“ Das „Sie“ als Pronomen bezieht sich natürlich auf die „Developer“ und wird darum kleingeschrieben.

  1. Komma am Ende der Grußformel

Zugegeben, die deutsche Zeichensetzung ist recht vertrackt. Dennoch gibt es eine Handvoll Regeln, die sich jeder (Laie) einfach merken kann. Wie etwa diese: Kein Komma am Ende der Grußformel. „Viele Grüße, Max Mustermann“ mag sich zwar gut lesen, ist aber falsch. Vielleicht passiert dieser Fehler aus reinem Instinkt heraus. Schließlich würde man beim Vorlesen sehr wohl eine Pause zwischen der Grußformel und dem Namen machen. Und da mutet ein Komma nur allzu logisch an. Und es gibt weitere mögliche Ursachen für diesen häufigen Fehler: Anders als in der deutschen Sprache setzt man im Englischen sehr wohl ein Komma nach „Kind regards“ oder ähnlichem. Daneben gibt es auch eine moderne Erklärung für das falsche Komma: Man überträgt die aus den Messengern wie Whatsapp gebräuchliche Schreibweise, eben ein Komma nach Ende der Grußformel zu setzen, in die geschäftliche Kommunikation. Anders als in Chats lässt sich in einer E-Mail oder einem Brief ganz leicht ein Zeilenumbruch einfügen, der die (gesprochene) Pause verdeutlicht. Das ginge natürlich auch in einem Messenger – nur dort macht es niemand. Gleiches gilt für die korrekte Groß- und Kleinschreibung. Es schreibt sich einfach schneller, wenn man die Tastatur des Smartphones nicht erst auf Großbuchstaben umstellt.

Gibt es Rechtschreib-, Grammatik- oder Stilfehler, über die Sie immer wieder stolpern? Dann lassen Sie uns gerne daran teilhaben!