Gruselig, nicht nur an Halloween – vom Wurm fressenden Fisch zur öffentlichen Leichenschau

Mit der Sprache treten wir miteinander in Kontakt, tauschen Informationen aus und formulieren unsere Ideen und Gedanken. Die Sprache macht uns zu einem einzigartigen Lebewesen. Doch was wir teilweise mit unserer Sprache anstellen, ist manchmal schon zum Fürchten. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um das geschriebene oder gesprochene Wort oder um die Körpersprache handelt. Vieles läuft in der Kommunikation falsch, sowohl auf privater und beruflicher Ebene als auch im öffentlichen Raum. Einige Bespiele gefällig?

Ist dieser Beitrag bereits vom Ansatz her falsch?
Jain, denn eigentlich sollten Negativbeispiele auch in der Kommunikation, insbesondere im direkten Austausch, möglichst vermieden werden. Wenn der Chef im Meeting 90 Prozent seiner Mitarbeiter lobt und über die verbleibenden zehn Prozent nichts sagt, kommt die Botschaft dennoch an, ohne das Negative in den Vordergrund zu stellen. Und weil niemand sein Gesicht verloren hat, können die indirekt Getadelten mit der Kritik besser umgehen.
Also: Besser ist es meist, positiv zu denken und positiv zu kommunizieren.

Sie fragen sich nun, warum sich gerade eine Kommunikationsagentur nicht an den eigenen Vorschlag hält? Nun, das hängt vorrangig mit der für uns Menschen typischen Neigung zusammen, mehr an schlechten Neuigkeiten interessiert zu sein – insbesondere dann, wenn sie uns nicht selbst betreffen. Wir müssen also danach differenzieren, wer mit wem kommuniziert – und in welchem Kontext. Um Aufmerksamkeit zu erhalten oder um Erfahrungen zu vermitteln, sind Beispiele „Wie es nicht geht“ durchaus angebracht.

Die Sache mit dem Wurm und dem Fisch
Es ist immer wieder zu beobachten, dass jemand an seiner Zuhörer- oder Leserschaft vorbei kommuniziert. Er nutzt einfach nicht die Sprache, die sein Gegenüber versteht oder in der es sich zu Hause fühlt. Das fängt beim Fachchinesisch an und hört bei abstrusen Wortschöpfungen auf. Ein Artikel kann inhaltlich und stilistisch top sein, ist jedoch schlicht überflüssig, wenn die Zielgruppe nicht über einen entsprechenden Wissensstand verfügt. Gerade im Geschäftsleben sollten Sie sich vorrangig des Wortschatzes bedienen, den Ihre Gesprächspartner nutzen. Ein Presseartikel in Börsenkreisen hat zwangsläufig eine andere Tonalität als ein Blog in der Welt der Bits und Bytes.
Wir sollten uns immer wieder erinnern: Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler.

Das rechte Maß finden
Es sollte überflüssig sein zu betonen, dass jede Kommunikation dem Anlass angemessen sein und die Körpersprache zum Inhalt der Aussagen passen muss. Ein begeisterter Insolvenzverwalter ist ebenso fehl am Platz wie ein Laudator mit Trauermine. Zudem leuchtet Ihnen ein, dass man mit zu wenigen Informationen – oder wenn entscheidende Aussagen fehlen – nicht viel anfangen kann. Frust, Zeitverzögerung und unnötiger Mehraufwand für Rückfragen sind vorprogrammiert. Ein Zuviel an Kommunikation hat übrigens einen ebenso negativen Effekt. In Ihrem Posteingang finden sich bestimmt immer wieder planlos gestreute E-Mails, die der Absender an einen großen Verteiler verschickt hat. Gerade in der internen Unternehmenskommunikation wird gar nicht so selten das Gros der Empfänger einer E-Mail mit für sie völlig irrelevantem Inhalt belästigt, nur weil der Absender sich selbst die Mühe spart, den richtigen Verteiler festzulegen.
Um auf obige Metapher zurückzukommen: Es darf auch nicht zu wenig oder zu viel Wurm sein.

Den richtigen Zeitpunkt abpassen
Der (unrühmliche) Klassiker einer zu späten Kommunikation im Arbeitsleben ist sicher der Fall, wenn ein Unternehmen seine Mitarbeiter und Geschäftspartner über einschneidende Ereignisse – beispielsweise Eigentümerwechsel, Umstrukturierung oder Insolvenz – zu spät in Kenntnis setzt und in den Medien bereits entsprechende Informationen kursieren. Doch nicht nur, wer zu spät kommuniziert, den bestraft das Leben. Auch eine verfrühte Kommunikation kann sich nachteilig auswirken. Gerade Informationen über Vertragsabschlüsse oder Personalentscheidungen geben die Verantwortlichen gerne sehr frühzeitig an die Medien – manchmal schon, bevor die Tinte auf dem Vertrag trocken ist. Halbherzige Dementis oder ein Informationschaos können die unangenehmen, aber vermeidbaren Folgen sein. Das Momentum für eine abgestimmte, eine hohe Resonanz erzielende Medienarbeit ist vertan.
Darum gilt: Den Zeitpunkt für eine Kommunikationsmaßnahme sollten Sie genau planen, mit Partnern absprechen und exakt einhalten.

Nicht in den Himmel loben und nicht herabsetzen
Auch in der Kommunikation ist der als Goldene Regel bezeichnete ethische Grundsatz zu berücksichtigen: Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden willst. Und wer möchte schon abschätzig und abwertend behandelt werden? Eine verletzende oder erniedrigende Wortwahl sollte eigentlich tabu sein. Aber auch hier gibt es genügend gruselige Beispiele, mitten in unserer Gesellschaft. Besonders auffällig ist es, wenn Menschen entpersonifiziert werden. Nun könnte man den „Beförderungsfall“ im Verkehrswesen und den „Zählpunkt“ beim Stromversorger noch als unglückliches Behördendeutsch abtun. Aber was sagt es aus, wenn im Krankenhaus eine Niere und eine Leber auf dem Zimmer liegen und auf ihre Operation warten? Oder wenn im Restaurant Tisch Nummer 3 ein Tagesmenü bestellt hat und das Hotelzimmer 4 ein Taxi benötigt? Sicher sind manche Formulierungen der notwendigen Effizienz im Berufsalltag geschuldet. Trotzdem sollten wir uns immer wieder daran erinnern, dass Sprache nicht nur Denken und Gefühle ausdrückt, sondern auch beeinflusst.

Natürlich gibt es auch bei diesem Aspekt zwei Seiten. Was ist also mit der übertrieben positiven Kommunikation? Auch sie bewirkt nichts Gutes. Zum einen ist es in hohem Maße unglaubwürdig, Dinge oder Umstände über den grünen Klee zu loben – insbesondere, wenn die Wahrnehmung des Gegenübers eine andere ist. Zum anderen drängt sich leicht der Verdacht auf, dass die Kommunikation allein dazu dient, Geld zu machen oder den Anderen über den Tisch zu ziehen. Mit Superlativen, vor allem in PR-Texten, sollte man daher stets sparsam umgehen.
Fazit: Eine ehrliche, ausgewogene Kommunikation zahlt sich langfristig aus.

Kommunikation ist keine Einbahnstraße
Das folgende Szenario hat schon Mancher erlebt: Er wird etwas gefragt, man lässt ihn aber gar nicht zu Wort kommen. Der Fragesteller selbst redet und redet und redet… Das ist nicht nur unhöflich, sondern auch kontraproduktiv. So erfährt man die Antwort nie. Auch bei Fachartikeln und Anwenderberichten fehlt mitunter die Möglichkeit zum Feedback. Viel zu oft sind keine Ansprechpartner für Rückfragen angegeben. Oder das Unternehmen reagiert nicht beziehungsweise zu spät. Welch ein Fehler! Nur im gegenseitigen Austausch erhält man neue Anregungen und Hinweise und kann wertvolle Kontakte für spätere Geschäftsbeziehungen ausbauen.
Salopp formuliert: Dialoge sind meist besser als Monologe.

Halloween – viel Spaß beim Gruseln
Den Verweis auf den teilweise inflationären Gebrauch von Anglizismen und sonstigen Fremdwörtern haben wir uns für den Schluss aufgehoben. Man ist sicher gut beraten, die ursprüngliche Bedeutung von eingedeutschten Begriffen zu kennen. So hat es wohl bei manch ausländischem Reporter für Irritationen gesorgt, als sich zur Fußball-WM 2006 der Begriff Public Viewing für das öffentliche Anschauen der Sportübertragungen auf Videowänden etabliert hat. Im Amerikanischen bezeichnet man damit nämlich auch die öffentliche Aufbahrung eines Toten.

Man muss außerdem nicht, um sich modern und gebildet zu geben, an jeder möglichen (und unmöglichen) Stelle ein Fremdwort einsetzen. Sie dürfen gern – wenn es angebracht ist – einen Verdacht äußern anstatt zu insinuieren, sich über die Erfolge eines Torschützen freuen, ohne ihn Goalgetter zu nennen, und sich in besinnlicher statt in kontemplativer Stimmung befinden. Das bedeutet im Umkehrschluss aber keineswegs, dass Fremd- und Lehnwörter grundsätzlich abzulehnen sind. Im Gegenteil: Die deutsche Sprache lebt und wird ständig durch andere Sprachen beeinflusst und bereichert. Fremd- und Lehnwörter, die im Sprachgebrauch etabliert sind, Ausdrücke, für die es keine adäquate Entsprechung im Deutschen gibt oder anerkannte Fachtermini haben zu Recht ihren festen Platz in der Kommunikation.

Sie müssen also nicht zur Vorabend-von-Allerheiligen-Feier, sondern können gern auf eine Halloween-Party gehen. Viel Spaß dabei!

 

 

 

 

 

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