Guten Morgen, Kollege Roboter!

Bots, Chatbots, Roboter-Redakteure: Die künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch und übernimmt zunehmend unsere Arbeit – vom Datenauslesen bis zum Textverfassen. Doch kann Kommunikation damit wirklich gelingen? Ein ausführliches Meinungsbild aus unserer Agentur.

Spätestens seit dem US-Wahlkampf ist das Thema „Bots“ in aller Munde. Posts, die die öffentliche Meinung beeinflussen, stammen nicht mehr zwangsläufig von einem Menschen, sondern könnten auch von einem Computerprogramm erstellt worden sein. Chatbots treten auf Websites schon lange in Kundendialog. Und manchmal ist es eine Software, die Texte zusammenbaut. Was sagt diese Entwicklung über den Journalismus des 21. Jahrhunderts? Und was hat man in der PR zu befürchten? Druiden wie R2-D2 oder BB-8, die kleinen Roboter aus den Star Wars-Filmen, sind auf der Leinwand natürlich entzückend. Doch wie würden wir reagieren, wenn so eine rollende Maschine aus künstlicher Intelligenz unseren kreativen Job übernimmt? Ist das überhaupt möglich?

Der neue Mitarbeiter heißt Algorithmus
Ein Social Bot ist ein Computerprogramm, das in sozialen Netzwerken selbstständig Kommentare veröffentlicht. Es handelt sich also um einen Social Media-Account, hinter dem kein Autor aus Fleisch und Blut steckt, sondern ein Roboter, der im schlimmsten Fall die Meinungen anderer User beeinflusst. Um einen vernünftigen Satz zu bilden, zieht sich der Social Bot die notwendigen Informationen einfach aus der schier unendlichen Datenmasse des Internets – und ist dabei so gut, dass man kaum erkennen kann, ob es sich bei dem Verfasser um einen echten Menschen oder einen Bot handelt. Dann gäbe es da noch die sogenannten Robo-Redakteure, selbstlernende Vertextungsalgorithmen, die ohne menschliche Hilfe Texte erstellen. Dafür gibt es unter anderem sogenannte Natural Language Generation-Programme (NLG), die automatisch Text generieren. Heute schon verfassen Robo-Redakteure oft Meldungen zu Quartalszahlen, Sportergebnissen oder auch den Wetterbericht. Kommen ausführliche Fachartikel und Reportagen etwa bald hinzu?

Künstliche Intelligenz hat ihre Grenzen
Die Frage, ob sich hinter diesen Entwicklungen mehr Gefahren oder Chancen verbergen, beantworten die einen so, die anderen so. Fakt ist: Bots besitzen keine Emotionen, Eindrücke oder Meinungen. Diese kann nur ein Mensch in Texten vermitteln. Bots haben im Gegensatz zum Menschen keine „Persönlichkeit“, die sich durch Erfahrungen entwickelt hat. Allerdings können Bots den „echten“ Redakteur durchaus unterstützen, zum Beispiel bei der Recherche, Themenfindung oder Datenauswertung. Hier bietet sich ein Beispiel aus den sozialen Netzwerken an: Es gibt Bots, die Hasskommentare aufspüren und eliminieren können – und dabei eine Trefferquote von bis zu 80 Prozent aufweisen. Das funktioniert unter anderem dadurch, dass sie die Netzwerke nach bestimmten Wörtern oder Wortgruppen durchsuchen. Aber: Ein Bot erkennt keine Ironie – ein Mensch schon. Deshalb kann ein Computerprogramm in diesem Bereich zwar eine gute Vorarbeit leisten, den Menschen aber nicht völlig ersetzen. Und wenn man den Gerüchten glauben darf, dann schlägt Google mit seinem Algorithmus zur Erkennung von Duplicate Content den Text-Bots sowieso ein Schnippchen – denn der Algorithmus erkennt Texte, die von einer Software einfach wiederverwertet und neu zusammengepuzzelt wurde.

Wie sieht unsere Zukunft aus? MHler haben eine Meinung
Ob wir in Zukunft als Berater oder Texter durch Computerprogramme ausgetauscht werden – und in welchem Ausmaß das erfolgt – muss sich wohl noch zeigen. Wir haben mal bei unseren Kollegen nachgefragt, wie sie diese Entwicklungen einschätzen.

Unsere Personalverantwortliche Tanja meint:
„Der Fokus der neuen Arbeitswelt liegt meiner Meinung nach auf der Teamarbeit, in der jeder seine Stärken einbringt, um das Beste zu erreichen. Wie könnten Computerprogramme so etwas abdecken? Es wird immer mehr nach Individualität gefragt, auch das kann ein Computer nicht ersetzen. Solange Menschen für und mit Menschen arbeiten, darf der Faktor Mensch nicht (völlig) durch den Faktor Technik ersetzt werden.“

Marco, unser Agenturleiter, findet:
„Gerade in Zeiten, in denen es immer wichtiger wird, Texte durch Emotionen zum Leben zu erwecken, den Leser zu packen und ihm ein Leseerlebnis zu schaffen, kann es meiner Ansicht nach (noch) kein Roboter der Welt mit einem menschlichen Redakteur aufnehmen.“

Unser Text- und Kaffeeguru Thomas sagt dazu:
„Ich glaube, es braucht kommunikative und soziale Erfahrung, um Texte produzieren zu können, die in der Lage sind, ein menschliches Gegenüber wirklich zu überzeugen. Solange die Adressaten Menschen sind, bleiben Menschen auch die besseren Kommunikatoren. Irgendetwas herauszublasen ist eben nicht dasselbe, wie etwas wirklich Überzeugendes und Empfängeradäquates zu schreiben und zu verbreiten.“

Jenny, Texterin und Content-Expertin bei uns, meint:
„In der Tat lassen sich einfache Fakten, wiederkehrende Formulierungen und der Verweis auf weiterführende Inhalte technologisch zusammenpuzzeln und automatisiert kommunizieren. Aber da hört es meiner Meinung nach auch schon auf. Content muss heutzutage mehr sein als Information. Kreative Ansätze, sprachliche Bilder und ein emotionaler Schreibstil im Sinne von Storytelling sind gefragter denn je, um sich in der Informationsflut unserer Zeit hervorzuheben. Und mehr noch: Je automatisierter und technischer unser Alltag wird – und das spüren wir alle – desto seltener und auch umso bedeutender wird der menschliche Aspekt der Kommunikation.“

Esther, unsere Redaktionsleiterin, hat diese Sicht auf die Sache:
„Ich denke, dass die Entwicklung im Bereich der redaktionellen Arbeit genauso verlaufen wird wie in vielen anderen Bereichen, die durch die Digitalisierung verändert werden: Jobs mit einfachen Anforderungsprofilen verschwinden, Spezialisten hingegen sind und bleiben gefragt. Man kann einem Robo-Redakteur sicher in Zukunft vorgeben, ein bestimmtes Thema positiv oder negativ zu beschreiben. Aber: Meines Erachtens nach wird es noch eine ganze Weile dauern, bis künstliche Intelligenz in der Lage ist, komplexe Themen zu abstrahieren, für unterschiedliche Zielgruppen zu erklären und ansprechend aufzubereiten, kritisch zu reflektieren und in einen größeren Zusammenhang einzuordnen. Dafür bedarf es auch in einigen Jahren noch menschlicher Kreativität. Wer als Redakteur meinungsstark und fundiert argumentieren, anschaulich erklären und durch eine kreative Schreibe unterhalten kann – der wird auch in Zukunft einen Job haben. Wenn auch vielleicht mit einem Robo-Redakteur als Kollege.“

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