Kommunikationskongress 2015: Macht macht mächtig

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Quelle: Hannah Winter-Ulrich

Die „ziemlich geilste und informativste Veranstaltung in der Kommunikationsbranche“ – so hatte mir ein Kollege den Kommunikationskongress beschrieben, der 2015 unter dem Motto „Macht“ stand. Dementsprechend groß waren meine Erwartungen, denn dieses Jahr hatte ich die Ehre, Möller Horcher dort zu vertreten. Aber eine richtige Vorstellung, was mich in Berlin erwarten würde, hatte ich nicht. Und nun – ich sitze im Zug zurück nach Hause –, muss ich sagen: Er hatte absolut recht.

„Kommunikation im Machtraum Politik“ mit Peer Steinbrück

Los ging die Veranstaltung mit der Keynote von Peer Steinbrück. Ich war gespannt, wie schlagfertig er wirklich ist und ob er tatsächlich kein Blatt vor den Mund nimmt. Ja, er ist schlagfertig. Und ja, er nimmt kein Blatt vor den Mund. Dass Steinbrück polarisiert, daran besteht kein Zweifel. Aber unabhängig davon, ob man ihn nun mag oder nicht, muss man ihm eines zugestehen: Er ist ein brillanter Redner: bissig, kritisch und witzig zugleich. So auch in seiner Rede zum Thema „Kommunikation im Machtraum Politik“. Seine These: Die politische Kommunikation werde zunehmend personalisiert, banalisiert und skandalisiert.

„Was die Digitale Revolution mit Macht macht“ mit Daniel Domscheit-Berg

Skandalös sind auch die Machenschaften der NSA und anderer Geheimdienste. Doch darauf ging der frühere Wikileaks-Sprecher Daniel Domscheit-Berg in seinem Vortrag (wider Erwarten) nur am Rande ein. Vielmehr brachte er die Zuhörer mit seinen Gedanken zu den Auswirkungen der Digitalen Transformation ins Grübeln: Es ist bereits möglich, aus Bauschutt innerhalb von nur 24 Stunden mittels 3D-Druck eine Siedlung aus zehn Häusern zu „bauen“ – unlängst geschehen in China. Oder die Gehirne dreier Affen derart zu vernetzen, dass sie gemeinsam einen Roboterarm steuern. Ich finde das gruselig! Aber mit solchen Dingen werden wir uns zukünftig wohl auseinandersetzen müssen.

„Zukunftsgerüchte – Wie die Welt wohl eher nicht wird“ mit Frank Schätzing

Um Zukunft, Zukunftsvisionen und Zukunftsängste ging es auch in der Keynote von Bestseller-Autor Frank Schätzing. Mit der Behauptung, dass wir 80 Prozent unserer geistigen Kapazitäten darauf ver(sch)wenden, über Vergangenheit und Zukunft nachzudenken, war er sich der Aufmerksamkeit der Zuhörer sicher. Mit vermeintlich unmöglichen Meldungen, die Marietta Slomka 2025 im „heute journal“ vorträgt, brachte er den Saal zum Lachen: Bundeskanzler zu Guttenberg und US-Präsident Schwarzenegger diskutieren ein Klonverbot für Politiker – vor dem Hintergrund, dass sich Wladimir Putin fünfmal habe klonen lassen, um seine Macht für die nächsten hundert Jahre zu sichern. Sie können sich das nicht vorstellen? Kein Wunder, so Schätzing, denn dafür fehle uns das Abstraktionsvermögen. Doch wir haben die Macht, die Zukunft nach unseren Wünschen zu gestalten. Warum also nicht per Fahrstuhl ganz bequem ins All fahren? An einer entsprechenden Lösung wird tatsächlich schon gearbeitet…

„Transformation und strategische Weiterentwicklung“ mit Dr. Heinrich Hiesinger

Auf dem Boden der Tatsachen verhaftet, aber dennoch zukunftsweisend, war die Keynote von Dr. Heinrich Hiesinger, Vorstandsvorsitzender der Thyssen Krupp AG. Er demonstrierte anschaulich, welche Transformationsmaßnahmen er initiiert hat, um seinen Konzern fit für die Zukunft zu machen. Die Grundpfeiler der neuen Strategie: ein neues Werteverständnis, ein neues Leitbild und klar formulierte Ziele, an denen sich der Vorstand in seinem Handeln unbedingt orientiert. Vermittelt wird die neue Strategie durch eine transparente Kommunikation – sowohl nach innen als auch nach außen. Das macht die Kommunikation zum Wegbereiter der Transformation.

„Netzoptimismus in der digitalen Gesellschaft“ mit Sascha Lobo

Einen amüsanten und zugleich nachdenklich stimmenden Schlusspunkt setzte Internetexperte Sascha Lobo mit seiner Sektion der gegenwärtigen Ohnmacht angesichts des digitalen und technologischen Fortschritts. Die Ohnmacht baut sich phasenweise auf (am Beispiel der Verlagsbranche):

Phase 0: Hybris: Die digitale Gesellschaft glaubt, alles unter Kontrolle zu haben und sieht keine Notwendigkeit für Innovationen.

Phase 1: Einschlag: Die Enthüllungen von Edward Snowden führen zu einer breiten Verunsicherung.

Phase 2: Verstörung: Man weiß nicht so genau, was eigentlich passiert ist.

Phase 3: Leugnung: Man hat den Weckruf nicht erkannt und denkt „war doch alles nicht so schlimm“.

Phase 4: Angst: Aus Angst sieht man in allem eine Lösung, die man dann überhöht. 2010 glaubte man beispielsweise, das iPad werde die Verlagsbranche retten.

Phase 5: Starre: Man erkennt, dass das iPad doch nicht die Lösung ist und tut lieber – nichts.

Phase 6: Aktionismus: Man versucht, die Situation mit unüberlegten Projekten zu retten, wie etwa einem zwölfköpfigen Team, das eine Employer Branding-Kampagne auf Instagram betreut.

Lobo leitet aus dieser Ohnmacht den Begriff des Plattform-Kapitalismus ab: Unternehmen müssen sich um digitale Kundenbeziehungen herum neu erfinden. Trotz der großen Herausforderungen schaut Lobo optimistisch in die Zukunft, denn: Optimismus ist die einzige Lösung.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

 

Autor: Hannah Winter-Ulrich

Redakteurin der Möller Horcher PR GmbH

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