Bewerbungsverfahren: So nicht, liebe Personaler!

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(Quelle: Shutterstock; Copyright: Peshkova)

Es ist wieder soweit.
Wir suchen Verstärkung im Redaktionsbereich.

Im Zuge der Vorbereitungen unseres internen Bewerbungsprozesses bin ich im PRREPORT auf eine interessante Studie zum Thema „Imageschaden aufgrund schlechter Bewerbungsverfahren“ gestoßen. Ergebnis der Studie: Knapp zwei Drittel der Bewerber bewerten ihre Erfahrungen während eines Bewerbungsprozesses als emotional nicht positiv. Und sie teilen diese Erfahrungen nicht nur mit Freunden und der Familie, sondern berichten davon auch auf Facebook und Bewertungsplattformen wie Kununu. Über die Hälfte der Befragten sind von der Prozessqualität des Bewerbungsverfahrens nicht überzeugt, ebenso viele Bewerber können nicht erkennen, wofür ein Unternehmen steht. Das heißt: Fast alle Kontaktpunkte und -anlässe sind verbesserungsfähig – vom Onlineformular über die Informationsbroschüre bis zu Gesprächen mit Recruitern und Führungskräften. Damit schaden schlechte Bewerbungsverfahren der Reputation von Unternehmen jeglicher Größe.

Fragwürdige Prozesse
Doch zurück zu den verbesserungsfähigen Kontaktpunkten und -anlässen. Als ich früher einmal auf Jobsuche war, ist mir Einiges von dem passiert, wovon in der Studie die Rede ist. Da gab es zum Beispiel ein großes Unternehmen, von dem ich, was den Umgang mit Personal angeht, bis dato nichts Negatives gehört hatte. Und ja, auch ich habe Internetplattformen und Mundpropaganda genutzt, um mich im Vorfeld gut zu informieren. Besten Mutes machte ich mich daran, zwei Gespräche zu absolvieren: das Telefonat mit der Personalverantwortlichen zwecks Vorauswahl und das persönliche Gespräch mit der entsprechenden Abteilungsleiterin. Die Chemie stimmte, und auch sonst waren wir uns einig. Wir wollten gerne zusammenarbeiten! Für die Unterschrift auf dem Vertrag musste ich nur noch einen Online-Test machen, den jeder Mitarbeiter standardgemäß ausfüllen muss. Zwei Tage später erhielt ich dann einen Anruf – eine Absage. Grund: die Auswertung des Online-Tests hat nicht dem entsprochen, was sich die Personalabteilung im Head-Office in England vorstellt.
Natürlich war ich enttäuscht, aber wirklich erschreckend fand ich die Tatsache, dass ein Online-Test, ausgewertet von Personen, die einen nicht kennen, wichtiger ist als persönliche Gespräche und Eindrücke. Sie können sich denken, dass ich dieses Unternehmen nicht weiterempfehle!

Kein Rückruf, Absage!
Einen weiteren bitteren Beigeschmack hinterließ ein Gespräch, das ich vor Vertragsunterzeichnung führen wollte. Das Bewerbungsverfahren verlief sehr positiv: zwei persönliche Gespräche, vorerst Einigkeit in allen Punkten. Mit dem Vertrag tauchten dann Fragen auf, die ich gerne vor der Unterschrift besprochen hätte. Ich habe mehrfach angerufen, Nachrichten hinterlassen – kein Rückruf. Bis dahin gab es mit der Kontaktaufnahme keine Schwierigkeiten, und man versicherte mir mehrmals, meine Kontaktperson sei anwesend. Wie es weiter geht, kann man sich denken. Ich habe den Vertrag nicht unterzeichnet. Sechs Wochen später erhielt ich dann die schriftliche Absage – mit der Begründung, sich für einen anderen Bewerber entschieden zu haben. Dabei hätte ein Rückruf die Fragen klären können! Enttäuschend, aber schon während der „Wartezeit“ ist mir klar geworden, dass ich in solch einem Unternehmen nicht arbeiten will! Denn wie wäre es erst, wenn man als Mitarbeiter ein Anliegen hat?

Genau solche Erlebnisse sind es, die sich summieren und ein negatives Firmenimage bilden.

Mein Fazit aus meinen Erfahrungen und in meiner Funktion als „Personalerin“: Trotz vieler automatisierter Prozesse – vergessen Sie die Menschen auf der anderen Seite des Tisches nicht! Ein entscheidender Schritt gegen ein negatives Firmenimage – oder sind Sie da anderer Meinung?

2 Kommentare

  1. Vielen Dank für Ihren Kommentar!
    Standardisierte Online Recruiting Prozesse kommen genau aus diesem Grund bei uns nicht zum Einsatz, da für uns der Bewerber als Mensch im Fokus steht. Ausschlaggebend ist schließlich das Gesamtbild.

  2. Ich persönlich habe mit Personalern sehr durchschnittliche Erfahrungen gemacht, die sich mit Ihren Schilderungen weitgehend decken. Als Abteilungsleiter habe ich bei Neueinstellungen in meinem Bereich die Tätigkeit der Personalabteilung auf ein Minimum reduziert: Anzeigen schalten / Rücklauf an mich weiterleiten / Vertrag aufsetzen.
    Der Grund dafür ist, dass Personaler zu schematisch vorgehen und interessante Kandidaten aussortieren. Im Umkehrschluss bekommt man die ewig identischen Profile mit den gleichen innovationsfreien Wirtschaftsstudien. Bei diesem schematischen Vorgehen scheint mir der Instinkt für wirklich interessante Persönlichkeiten verloren zu gehen.
    Übrigens: Online Recruiting Prozessen gehe ich aus dem Weg. Auch solche Prozesse fördern die Fokussierung auf ewig identische Lebensläufe. Davon abgesehen beleidigen sie meinen Intellekt.
    Danke für Ihre Aufmerksamkeit.
    MarkusV

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